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Zeitungsartikel aus der Friedberger Allgemeinen
Wenn der Wurm drin (dran) ist ...
... hat die Liebe gegen gemeine Kabalen einen schweren Stand - Premiere mit Schiller im
Neuen Theater Mering
Heimtückisch, hinterhältig und sehr dramaisch ging es am Wochenende im
Dachgeschoß der Meringer Kultmühle zu. "Kabale und Liebe" von
Friedrich Schiller bannte das Premierenpublikum auf die Zuschauerstühle im bis auf
den letzten Platz belegten Theatersaal und der lang anhaltende Applaus bestätigte
die Laiengruppe um Regisseur Robert Seidl in ihrem schauspielerischen Engagement.
Eine große Herausforderung stellte für die zehnköpfige Theatertruppe -
darunter vier neue Ensemble-Mitglieder - das klassische Drama Schillers dar, das sie
meisterhaft auf die Bühne brachte. Was da nach einjähriger Pause im Meringer
Dachtheater gespielt wurde, diente nicht als lockere Abendunterhaltung zum
Zurücklehnen.
Rücksichtsloses Machtbestreben und schier unüberwindbare Standesschranken
sind die Maschen, aus denen Schillers wortgewaltige Gesellschaftskritik gestrickt ist.
Wurm, der Sekretär des Präsidenten, schmiedet devot aus dem Hintergrund die
Ränke, um die Liebe der Bürgerstochter Luise und des Präsidentensohnes
Ferdinand zu zerstören. Geschickt arbeitet Christian Süß dabei die Rolle
des süffisanten, aber skrupellosen "Sekretarius" aus. Luises Vater, der
Musiker Miller, durchschaut den "Tintenkleckser" und die Niedertracht des
Präsidenten. Mit großer Hingabe mimt Norbert Ebner die grobschlächtige
Empörung des in seiner Ohnmacht verzweifelten Vaters. Nicht minder überzeugend
agiert Markus Schwab als Präsident von Walter, der gefühlskalt und
autoritär das Glück seines Sohnes zu opfern bereit ist. In seiner grenzenlosen
Leidenschaft enttäuscht, beschließt dieser, sich und seine Liebste zu
vergiften. - Zweifellos die dramatischste Rolle des Trauerspiels, die Tobias Zinner einiges
an mimischem Können abverlangt. Ergeben beugt sich Luise in ihr Schicksal ("Die
Schranken des Unterschieds werden erst im nächsten Leben zerspringen"), wahrt
dabei aber bis zum Schluß eine aufrechte Haltung, was Anja Smetana mit Bravour
darzustellen gelingt. Für eine hinterhältig eingefädelte Scheinehe des
Präsidentensohnes wird die nicht ganz unbescholtene Lady Milford auserkoren. Mit
ihrem letztendlichen Verzicht auf Ansehen und Güter spielt Ulrike Singer eine sehr
charakterstarke Rolle. Mit beteiligt am Komplott gegen die Liebe ist auch Hofmarschall
von Kalb (Falko Fischer), der mit viel Sinn für Groteskes seine kasperlhafte Rolle
am Fürstenhof unterstreicht und dem Publikum so manches Schmunzeln entlockte.
Geballte Wortkunst
Vor einem schlichten, aber sehr effektvollen Bühnenbild steht und fällt die
Inszenierung in fünf Akten allein mit den wortgewaltigen Dialogen der Schauspieler,
die allesamt ihr Bestes gaben. Dank einer eigens konstruierten, dreigeteilten Bühne
für die wechselnden Handlungsorte kommt das Ensemble ohne Umbaupausen aus. Die
Präsentation des Klassikers verdichtet sich dadurch jedoch nicht unerheblich.
"Ich finde es Klasse, dass wir hier in Mering so anspruchsvolles Theater
präsentiert bekommen", stellte ein Besucher bereits in der Pause anerkennend
fest. Auch seine Begleiterin zeigte sich fasziniert von der schauspielerischen Leistung
der Laienspieler, die mit großer Textsicherheit überzeugend die Vielschichtigkeit
der Beziehungsebenen in Szene setzten. Ein Glücksfall für die Meringer Kulturszene,
von dem sich noch möglichst viele Zuschauer überzeugen sollten.
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